Scheidungsrituale

Die Anzahl von Ehescheidungen und Partnerschaftstrennungen hat insgesamt zugenommen, so dass heute etwa jede zweite Ehe geschieden wird. Gerade für Menschen, die sich kirchlich haben trauen lassen, bedeutet die Trennung eine auch für das eigene Glaubensleben und die Beziehung zur Kirche und Gemeinde oft belastende Erfahrung.

Oft bleiben Schuldgefühle und Verletzungen unverarbeitet und belasten Menschen über Jahre - auch beim Aufbau neuer Beziehungen. Gerade im Blick auf mögliche Kinder spielt der weitere Umgang der ehemaligen Partner mit einander eine wichtige Rolle.

Scheidungsrituale sind ein Angebot zur seelsorglich-kirchlichen Begleitung von Paaren in der schwierigen Phase einer Beziehungstrennung. Sie bieten - als Gegenstück zur Trauung - die Chance, mit Brüchen und Versagen umzugehen, Gefühle zu verarbeiten und offen für neue Beziehungen zu werden.

Ziel der Scheidungsrituale ist es,

  • Menschen in der schwierigen Situation einer Beziehungstrennung seelsorglich zu begleiten
  • die Sprach- und Gestaltungskraft christlicher Rituale für die Verarbeitung von Schuld, Verletzungen und biographischen Brüchen anzubieten
  • die kirchliche Begleitung der Beziehung, die mit der Trauung begonnen hat, auch am Ende nicht abbrechen zu lassen
  • das evangelische Verständnis christlichen Glaubens („Rechtfertigung allein aus Gnade“) als Lebenshilfe gerade auch in kritischen Lebensphasen zu entfalten
  • eine biographische Beziehung des Glaubenden zur Gemeinde auch für die Zukunft offen zu halten - auch im Blick auf das Verhältnis künftiger Paare zur Gemeinde

Bei den Scheidungsritualen geht es um die Annahme des Menschen und seine Begleitung, nicht um eine moralische Wertung der Trennung. Es geht um eine Begleitung von Menschen in einer biographischen Phase des Scheiterns, der Schuld, der Verletzung, nicht um eine Verharmlosung der Trennung.